Gerd Bucerius

geb. 19. Mai 1906 in Hamm (Westfalen); gest. 29. September 1995 in Hamburg

„Wir haben das vorher kommen sehen. Ich war mit einer Jüdin verheiratet damals. [...] Es fanden damals ja alle halbe Jahre Wahlen statt beinahe und wir sahen bei jeder Wahl stiegen sowohl die Stimmen der Kommunisten wie der Nationalsozialisten, man konnte sich beinahe ausrechnen, wann die Mitte zerstört sein würde. Dies trat dann eines Tages wirklich ein. [...] Nun haben wir das nicht sehr lang ausgehalten: Nach der Kristallnacht habe ich meine Frau nach England gebracht.“ (aus: 21'11)

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54:22

INTERVIEW

Entstanden: im Dezember 1985 in Hamburg

00'00
Einstieg Troschke
03'24
Interviewbeginn: Probleme der Gegenwart

Erinnerungen an die Kindheit und Jugend

06'00
Erinnerungen Kindheit
08'18
Selbsteinschätzung, Charakter
09'35
Herkunft und Familie (Abstammung von Pastoren und Soldaten)
11'00
Protestantischer Glaube in seinem Leben kaum wichtig; Aufwachsen in Essen
12'50
Prägungen und Einflüsse in der Kindheit; erst Einfluss der Mutter (spielerisch) stark, dann Vater (ernst)
14'09
Gesellschaft jubelte bei Mobilmachung; Erster Weltkrieg; Vater im Krieg
16'58
Ende des Ersten Weltkrieges

Protestantismus Erster Weltkrieg Essen Religion

Jurist in den 1920er und 1930er Jahren

18'40
Berufliche Pläne in den 1920er Jahren: Jurist
20'07
1933 Richter; sah NS-Erfolg voraus; war betroffen, weil seine Frau Jüdin war; sie emigrierte nach England
22'53
Über die Totalität des Nationalsozialismus und die Mittäterschaft der breiten Bevölkerung; Hamburg und Berlin waren liberal
24'19
Bucerius vertrat als Anwalt v. a. jüdische Bekannte
26'51
Musste nicht Soldat werden, weil er mit einer Jüdin verheiratet war (Führererlass)
30'05
Kriegsende in Hamburg; sein Haus von Bomben verschont

Berlin Hamburg Großbritannien (GB) Exil Emigration Antisemitismus Nationalsozialismus Kollektivschuld-Debatte Zweiter Weltkrieg Jurisprudenz

Nachkriegszeit, Aufarbeitung und Eintritt in die CDU

31'55
Kriegsende: Bestrafung von NS-Verbrechern
33'13
Bekanntschaft mit Adenauer; Eintritt in die neu gegründete CDU
35'43
Vater kannte Adenauer (berufliche Beziehungen); Bucerius schätzte Adenauers Versöhnungspolitik mit Frankreich
38'38
1962 Parteiaustritt: Verhältnis BRD-DDR; Streit über Oder-Neiße-Grenze; STERN-Artikel „Brennt in der Hölle wirklich ein Feuer?“; Bruch mit Adenauer

NS-Aufarbeitung Nachkriegszeit Jurisprudenz Kriegsverbrechen Nationalsozialismus Konrad Adenauer Christlich Demokratische Union (CDU) Frankreich Oder-Neiße-Grenze Teilung Deutschlands STERN „Brennt in der Hölle wirklich ein Feuer?“ Parteiaustritt

Verleger von STERN und DIE ZEIT

44'34
Wie Verleger geworden? Kontakt mit Rudolf Petersen (Erster Bürgermeister Hamburg 1945-1946); Ziele: Befreiung der Deutschen vom Nationalsozialismus; Aufklärungsarbeit
45'25
Vorstellungen in der Zeitung erfüllt? Linie durchgehalten? Anfangs ja (weil NS-Aufarbeitung im Vordergrund stand), dann Blatt SPD-nah
49'34
Beziehung zu Helmut Schmidt: Kollegen im Verkehrsausschuss des Bundestages; Frage über gemeinsamen Freund, ob Schmidt an der Zeitung mitarbeiten will
51'29
Entscheidende Erfahrung: Treue zu sich selbst, zur eigenen Meinung
53'15
Einstellung zur Religion: kein Glaube an Reinkarnation, aber an eine Übermacht

STERN Verlagswesen Presse Rudolf Petersen Hamburg Nationalsozialismus NS-Aufarbeitung Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) Helmut Schmidt Bundestag Religion Nachkriegszeit DIE ZEIT